Umweltamt DCMR entrollt grünen Teppich für nachhaltige Industrieentwicklung

14.09.21

Die Vorbereitungen für die ersten 32 Kilometer der Wasserstoffleitung von HyTransPort, von der Maasvlakte nach Pernis, verlaufen planmäßig. Umweltamt DCMR untersucht jetzt die erwarteten Auswirkungen aller Wasserstoffpläne in der Region auf die Umwelt. Axel Pel, Programmmanager für Nachhaltige Industrieentwicklung bei DCMR, erzählt, wie das Rijnmonder Umweltamt über die kommende Pipeline und über Wasserstoff als grünen Treibstoff denkt. „Wir entrollen den grünen Teppich für nachhaltige Alternativen!“

Ist die Einführung von Wasserstoff eigentlich notwendig?

„2050 hätten die Niederlande gern ein Energiesystem ohne CO2-Emissionen. Wir müssen uns bis dahin von den fossilen Treibstoffen verabschiedet haben. Der Energiebedarf ist groß. Diesen können wir nicht allein mit Elektrizität abdecken. Wasserstoff ist eine gute Ergänzung. Er lässt sich leicht mithilfe von Elektrolyse aus Wasser herstellen. Das Verfahren ist sauber: Es wird dabei absolut kein CO2 freigesetzt und das Nebenprodukt ist Sauerstoff. Und ein großer Pluspunkt: Zur Speicherung von Energie braucht man ein Molekül. Wasserstoff ist ein solches Molekül. Mit Wasserstoff kann man Energie also speichern und transportieren.“

Für Wasserstoff braucht man neue Leitungen. Ist das nicht unpraktisch?

“Die Infrastruktur muss dazu tatsächlich angepasst werden. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob wir Wasserstoff bald in jeder Küche haben werden. Aber für den Straßentransport, als Treibstoff für Flugzeuge und Schiffe und in der Industrie ist grüner Wasserstoff sehr wohl ein Treibstoff der Zukunft. Denn es handelt sich um saubere Energie, mit Wasser als Rohstoff, hergestellt mit grünem Strom aus Windparks auf See, und er ist nicht gefährlicher oder komplizierter als Erdgas, womit wir uns bereits ausgesprochen gut auskennen.

Es müssen zwar mehr Leitungen und Pumpwerke und andere Infrastruktur geschaffen werden, aber Wasserstoffleitungen sind an sich nichts Neues. Zudem kann möglicherweise ein Teil der Erdgasinfrastruktur für Wasserstoff genutzt werden. Die Industrie setzt Wasserstoff bereits jetzt für bestimmte Verfahren ein, nämlich „grauen“ Wasserstoff aus Erdgas. Es muss also nicht viel neue Technik für die Leitungen entwickelt werden.“

Neu jedoch ist die Fabrik, in der Shell ab 2023 grünen Wasserstoff herstellen möchte.

„Das ist richtig. Diese Fabrik wird die größte Europas. Mit einer Kapazität von 200 Megawatt ist sie zehnmal so groß wie vorhandene Wasserstofffabriken. Aufgrund dieses Ausmaßes kann sie ca. fünf Prozent des Wasserstoffbedarfs in der Region Rijnmond zur Verfügung stellen. Und der Hafenbetrieb Rotterdam hat auf der Maasvlakte 2, auf der diese Elektrolysefabrik gebaut werden wird, Platz für drei weitere derartige grüne Wasserstofffabriken reserviert und anderswo im Hafen für weitere zwei. Da Shell jetzt vorgeprescht ist, melden mehr Unternehmen Interesse an dem Bau einer solchen Fabrik an. So ein Wasserstoff-Knotenpunkt im Rotterdamer Hafengebiet ist ein wesentlicher Schritt in der Energiewende.“

DCMR kommt die Aufgabe zu, der Fabrik die Genehmigung zu erteilen. Worauf achtet das Umweltamt?

„Wie bei allen neuen Fabriken achtet DCMR darauf, dass auch diese alle Rechts- und Verwaltungsvorschriften im Bereich von Umwelt und Sicherheit erfüllt. In diese Fabrik kommt keine unbekannte Technologie. Es sind auch keine neuen Vorschriften erforderlich. Die Entwicklung nachhaltiger Energie passt hervorragend zu den Plänen der Provinz Südholland und der Gemeinde Rotterdam. In dieser Hinsicht ist das Ganze nicht wirklich spannend. Aber noch nie zuvor wurde Wasserstoff in einem derartig großen Umfang hergestellt. Deshalb schauen wir uns alles sorgfältig an. Sicherheit, Lärm und Verschmutzung sind die wichtigsten Punkte, auf die wir bei der Genehmigungserteilung achten. Und zudem auf eine gute Kommunikation mit dem Umfeld.

Die Sicherheitsrisiken von Wasserstoff sind bekannt. Es handelt sich um ein leichtes, geruchsloses, leicht entflammbares Gas, besonders im Kontakt mit Sauerstoff. Gut vergleichbar mit Erdgas, das wir ebenfalls durch das ganze Land unter Hochdruck über Rohrleitungen transportieren.

Die Kompressoren, mit denen das Wasserstoffgas demnächst zusammengepresst werden wird, erzeugen viel Lärm. Wir achten stark darauf, dass dieser Lärm in ausreichendem Maße gedämpft wird und dass die Parteien die Normen und Vereinbarungen zum Thema Lärm einhalten. Die Bevölkerung in Oostvoorne, die Ortschaft, die sich am nächsten zur Wasserstofffabrik befindet, muss vernünftig schlafen können.

Die Herstellung von Wasserstoff verschmutzt die Umwelt nicht. Ganz im Gegenteil. Es wird dabei Sauerstoff freigesetzt. Der Boden auf der Maasvlakte 2 ist neu und nicht verschmutzt. Nur der Bau der Fabrik wird geringe Stickstoffemissionen mit sich bringen. Aber dazu wurde eine Ausnahme in das neue Gesetz „Stickstoffreduzierung und Umweltverbesserung“ aufgenommen, das spielt bei der Genehmigung also keine Rolle.“

Muss DCMR auch die Genehmigungserteilung für die Pipeline übernehmen?

„In den Niederlanden ist es so geregelt, dass die niederländische Gasunie Pipelines für den Transport von Gasen unter Hochdruck verlegt. Gasunie verfügt über das Fachwissen und die Erfahrung, um für eine gute Ausführung zu sorgen. Für HyTransPort, die Wasserstoff-Pipeline von der Maasvlakte nach Pernis, arbeitet der Hafenbetrieb Rotterdam mit Hynetwork Services, einem auf Wasserstoff spezialisierten Teil von Gasunie, zusammen. Die Gemeinde Rotterdam erteilt die Genehmigung für die Pipeline durch den Hafen. Die Aufsichtsbehörde für Raum und Umwelt, Transport und Verkehr des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft kontrolliert die Arbeit von Gasunie. Nur der Anschluss der Wasserstofffabrik an das erste Stück der Pipeline fällt unter die Zuständigkeit von DCMR.”

Welche Rolle spielt DCMR für die Anwohner, die entlang der Pipeline wohnen?

„Wir untersuchen momentan die Folgen des Baus auf die Umwelt und das Umfeld mithilfe einer breit aufgestellten Umweltstudie (der Bau der Pipeline fällt in den Bebauungsplan und darin ist keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG.) vorgeschrieben -Red.-). Glücklicherweise befindet sich in Rijnmond bereits eine Rohrleitungsstraße, zu der diese Wasserstoffleitung gut passt. Es ist also keine neue Verlegung erforderlich und es geht nicht zu Lasten der Natur oder von Bauflächen. In dieser Hinsicht sind die Auswirkungen nicht besonders groß.

Dennoch, wer in Rozenburg oder Pernis wohnt, bekommt wieder etwas Neues vorgesetzt, das hinter seinem Gartenzaun verläuft, eine zusätzliche Pipeline, mit allen Risiken, die sich daraus ergeben können. Es ist also absolut normal, dass die Anwohner darüber gut informiert und ihre Fragen beantwortet werden. Die Bedeutsamkeit, rechtzeitiger und transparenter Rücksprache mit den Anwohnern ist etwas, das wir als DCMR beim Hafenbetrieb Rotterdam ausdrücklich befürworten und was das Projektteam auch gut umsetzt.“

DCMR ist das Umweltamt der Provinz Südholland, der Gemeinde Rotterdam und von fünfzehn umliegenden Gemeinden. Diese haben vor kurzem ihre Regionale Energie-Strategie (RES – In Holländisch) präsentiert. Diese Pläne sind vollgepackt mit Plänen für eine nachhaltige Energieversorgung. Welche Rolle spielt DCMR dabei?

“Wir helfen bei der Umsetzung der Pläne. DCMR entrollt den grünen Teppich für Initiativen von Unternehmen, die zur Energiewende der Provinz und der Gemeinden passen. Die nachhaltigen Pläne werden bei der Genehmigungserteilung vorrangig berücksichtigt. Wir mobilisieren Wissen, setzen Fachleute ein, die sich mit Verfahren und Praxis auskennen, und nutzen unser Netzwerk mit den Planungsämtern. Es widerspricht unserem Anspruch, dass Verfahren möglicherweise eine Verzögerung für einen guten grünen Plan hervorrufen. Wir möchten kein Hindernis für nachhaltige Entwicklung darstellen.

Die Idee der Wasserstofffabrik kam bei uns über das „Versnellingshuis“ (Beschleunigungszentrum), eine Initiative des Hafenbetriebs Rotterdam und Deltalinqs, dem Unternehmensverband des Hafengewerbes, auf den Tisch. Das „Versnellingshuis“ kümmert sich darum, dass ein grüner Plan schnell auf den richtigen Schreibtischen landet, sodass die erforderlichen Verfahren zügig verlaufen und verfügbare Fördergelder einfach abgerufen werden können.“

Gibt es noch Hemmnisse für grünen Wasserstoff?

„Die Produktion ist zurzeit noch ca. zweimal so teuer wie die von grauem oder blauem Wasserstoff (beide aus Erdgas gewonnen, bei blauem Wasserstoff wird jedoch das freigesetzte CO2 aufgefangen und unter dem Meeresboden eingelagert).

Für die Verlegung einer Wasserstoffleitung gibt es keine rechtlichen Hindernisse, aber für die Nutzung von Wasserstoff gibt es noch ein paar Lücken in der Gesetzgebung und Unklarheiten in Bezug auf Fördergelder und Steuern. Diese müssen von den Behörden schnell gefüllt bzw. ausgeräumt werden. Wenn die Pipeline 2024 verlegt ist, die größte Wasserstofffabrik von Europa läuft und Unternehmen diese nutzen können, wird dies einen Unterschied von ca. 150 Kilotonnen CO2-Emissionen bedeuten, ein halbes Prozent der heutigen Emissionen in der Region Rijnmond.“

Alle Fotos zum diesem Artikel sind von Jerry Lampen. Copyright Jerry Lampen.

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